Labyrinth im Harz – Die Sandsteinhöhlen bei Regenstein

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Mitten im Kiefernwald des Harzes taucht plötzlich eine Landschaft auf, die eher an eine Wüste als an den Norden Deutschlands erinnert. Helle Sandsteinfelsen, tiefe Nischen und geheimnisvolle Höhlen bilden rund um den Regenstein einen ungewöhnlichen Ort. Doch wer genauer hinsieht, entdeckt Spuren einer Geschichte, die weit über das hinausgeht, was die Felsen zunächst verraten.

Ein weißes Geheimnis im Kiefernwald

Nordöstlich unterhalb der bekannten Burg und Festung Regenstein liegt im Waldgebiet Heers eine außergewöhnliche Sehenswürdigkeit: die Großen und Kleinen Sandhöhlen. Auf einer lichten Fläche ragen helle Sandsteinformationen aus dem Waldboden. Der Kontrast zwischen dem weißen Sand, den dunklen Kiefern und den verwitterten Felsen macht den Ort zu einem der ungewöhnlichsten Ziele rund um Blankenburg. Die Stadt Blankenburg beschreibt das Areal als eine Art „Sandhutsche“ mit dem markanten Dedingstein im Zentrum.

Von Menschenhand geschaffen

Der Name Sandhöhlen führt allerdings etwas in die Irre. Die Felsen bestehen aus Sandstein, der vor rund 83 Millionen Jahren während der Oberkreide in einem flachen Meer entstand. Die heutigen Hohlräume sind überwiegend künstlich geschaffen. Über lange Zeit wurde der leicht zu bearbeitende, feinkörnige Sandstein abgebaut, um daraus Scheuer- und Streusand zu gewinnen. Dieser feine Sand wurde früher unter anderem auf Holzböden gestreut, um Schmutz aufzunehmen.

Durch den Abbau entstanden Hohlräume, Nischen und kleine Höhlensysteme. Untersuchungen haben mehrere künstlich geschaffene Hohlräume dokumentiert; allein in der Nähe der Regensteinmühle wurden neun niedrige Hohlräume mit Längen zwischen sechs und 27 Metern erfasst.

Zwischen Geschichte und Legende

Um die Sandhöhlen ranken sich zahlreiche Geschichten. Immer wieder wird vermutet, dass das Gebiet bereits in vorchristlicher Zeit als germanischer Thing- oder Versammlungsplatz genutzt worden sein könnte. Einen eindeutigen historischen Nachweis dafür gibt es allerdings nicht. Gerade diese Mischung aus belegbarer Geschichte und überlieferten Vermutungen verleiht dem Ort seinen geheimnisvollen Charakter.

Auch die spätere Militärgeschichte des Regensteins hinterließ Spuren. Die Sandhöhlen gehörten zum Umfeld der Festungsanlagen; hinter einigen Bereichen finden sich Reste ehemaliger Erdschanzen. So treffen hier Bergbaugeschichte, mittelalterliche Vergangenheit und Festungsgeschichte unmittelbar aufeinander.

Ein Ort, der langsam verschwindet

Besonders faszinierend ist die Landschaft gerade deshalb, weil sie nicht unverändert bleibt. Wind, Regen und Frost setzen dem weichen Sandstein zu. Die Verwitterung trägt ständig Material ab und verändert dadurch die Höhlen und Felsformationen. Die Stadt Blankenburg weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass zusätzliche Bearbeitungen oder Gravuren im Stein den Zerfall beschleunigen.

Wer die Sandsteinhöhlen besucht, sollte diesen ungewöhnlichen Ort daher mit Respekt behandeln. Denn vielleicht liegt genau darin ihr größtes Geheimnis: Was heute wie ein zeitloses Naturwunder wirkt, kann schon wenige Jahrzehnte später wieder anders aussehen.