Mitten im Selketal steht ein Bauwerk, das auf den ersten Blick wie ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit wirkt. Zwischen Wald, Wiesen und dem Lauf der Selke erhebt sich das geheimnisvolle Mausoleum von Meisdorf – einst letzte Ruhestätte einer mächtigen Adelsfamilie. Doch wer hier seine letzte Ruhe fand und welche Geschichte hinter den steinernen Mauern steckt, wird erst bei genauerem Hinsehen sichtbar.
Ein Ort zwischen Schloss und Selke
Das denkmalgeschützte Mausoleum liegt am Ortsrand von Meisdorf, einem Ortsteil der Stadt Falkenstein/Harz in Sachsen-Anhalt. Es befindet sich unweit des Schlosses Meisdorf und direkt am Selketalstieg, dem beliebten Wanderweg durch das Tal. Die Lage ist idyllisch: Die Selke fließt in unmittelbarer Nähe, während sich dahinter die bewaldeten Hänge des Harzes erheben.
Das Bauwerk ist eng mit der Geschichte der Grafen von Asseburg-Falkenstein verbunden. Die Familie gehörte über lange Zeit zu den prägenden Adelsgeschlechtern der Region und besaß unter anderem Schloss Meisdorf sowie die nahegelegene Burg Falkenstein. Das Schloss wurde im 18. Jahrhundert zum Mittelpunkt ihrer Herrschaft.
Neugotik aus Sandstein
Das heute bekannte Erbbegräbnis entstand nach den gängigen Angaben um 1834, teilweise wird auch das Jahr 1832 genannt. Der repräsentative Bau wurde im neugotischen Stil errichtet und besteht aus Sandstein. Besonders auffällig sind die drei spitzbogigen Portale mit ihren darüberliegenden Wimpergen. Dadurch erinnert das Mausoleum eher an eine kleine mittelalterliche Kapelle als an eine private Familiengruft.
Gerade dieser Gegensatz macht den Ort so faszinierend. Die Architektur wirkt geheimnisvoll und beinahe düster, obwohl das Mausoleum mitten in einer friedlichen Landschaft steht. Ein Gitter ermöglicht heute einen Blick in das Innere, ohne dass die Grabstätte betreten werden muss.
Die letzte Ruhestätte der Asseburger
Im Mausoleum wurden über mehrere Generationen Mitglieder der Familie und mit ihr verbundene Personen beigesetzt. Zu den dort genannten Verstorbenen gehören unter anderem Ludwig I. von der Asseburg, sein Sohn Ludwig II. sowie weitere Angehörige der Familie. Die letzten auf der örtlichen Übersicht aufgeführten Bestattungen stammen aus dem Jahr 1928.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Besitz der Familie enteignet. Das Erbbegräbnis blieb jedoch erhalten und steht heute unter Denkmalschutz. So erzählt der kleine Bau nicht nur von Tod und Erinnerung, sondern auch vom Ende einer jahrhundertealten adeligen Lebenswelt.
Stempelstelle für Harzwanderer
Heute ist das Mausoleum nicht nur ein historisches Denkmal, sondern auch ein Ziel für Wanderer. An dem Bau befindet sich die Stempelstelle 207 der Harzer Wandernadel. Vom Ortsrand von Meisdorf führt der Selketalstieg direkt dorthin; die Tour lässt sich anschließend unter anderem in Richtung Selkeblick oder Burg Falkenstein fortsetzen.
Wer am Mausoleum steht, entdeckt deshalb mehr als nur ein altes Gebäude. Zwischen Sandstein, Wald und Selke liegt ein stiller Ort, an dem die Geschichte der Asseburger bis heute spürbar bleibt – und der vielleicht gerade deshalb so eindrucksvoll wirkt.







